Nockenwellen Awo Simson 425 T - S
Liebe Oldtimerfreunde,
es ist so weit!
In wenigen Wochen werden wir euch unsere neuen Nockenwellen für die AWO 425 Tourer und Sport präsentieren.
Doch wie ist es dazu gekommen?
Der Anfang
Bei der Restaurierung eines historischen Motors wäre es am einfachsten, ein neues Ersatzteil zu finden, das nach der
originalen Dokumentation gefertigt wurde, und dieses einfach einzubauen. Beim AWO ist diese Möglichkeit jedoch
stark eingeschränkt.
Die originalen Nockenwellen, die heute in Werkstätten gelangen, haben bereits mehrere Jahrzehnte Betriebszeit
hinter sich. Einige von ihnen wurden mehrfach in verschiedene Motoren eingebaut, und die Oberflächen der Nocken
weisen mehr oder weniger deutliche Verschleißspuren auf.
Das Problem besteht darin, dass eine Nockenwelle nicht allein anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes oder durch
die Messung der maximalen Nockenhöhe zuverlässig beurteilt werden kann.
Selbst ein relativ geringer Verschleiß an der Flanke einer Nocke kann die Art und Weise verändern, wie der Stößel
angehoben wird, die tatsächliche Öffnungsdauer des Ventils sowie den gesamten Bewegungsverlauf des Ventils.
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, den Versuch zu unternehmen, die Nockenwelle der Simson AWO
originalgetreu nachzubilden und eine Technologie zu entwickeln, die eine erneute Produktion ermöglicht.
An dieser Stelle beginnt der eigentliche Teil unserer Entwicklungsarbeit: die Vermessung der originalen Nocken und
der Versuch, deren ursprüngliche Geometrie zu ermitteln, bevor mehrere Jahrzehnte Betrieb ihre Spuren hinterlassen
haben.
Um die Messungen reproduzierbar zu machen und die Position der Nockenwelle eindeutig festzulegen, haben wir
spezielle Mitnehmer angefertigt, die eine präzise Positionierung sowohl auf dem Messstand als auch später auf der
Schleifmaschine ermöglichen.
Dadurch können wir in jeder Phase der Arbeiten die gleiche Winkelposition der Nockenwelle beibehalten und die
Messergebnisse direkt auf das zu fertigende Nockenprofil beziehen.
Für die präzise Untersuchung der originalen Nockenwellen haben wir einen optischen Teilapparat CARL ZEISS JENA
verwendet, der mit einem digitalen Wegmesssystem verbunden ist.
Anstatt uns auf die Messung des Grundkreisdurchmessers und der maximalen Nockenhöhe zu beschränken, haben
wir den Verlauf der Nocke bei jeder 1°-Drehung der Nockenwelle vermessen.
Auf diese Weise erhielten wir für jede untersuchte Nocke einen vollständigen Datensatz von Messpunkten, der die
Veränderung der Stößelposition über den gesamten Umfang der Nocke beschreibt.
Hier haben Sie die Parameter der originalen Nockenwelle.
Diese Parameter haben wir bei der neue Nocke beibehalten.
Nach der Auswertung der Messungen beider originaler Nockenwellen konnten wir mit der Entwicklung eines neuen
Nockenprofils beginnen.
Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, einfach eine der gebrauchten Nockenwellen zu kopieren. Für die
detaillierten Messungen haben wir zwei sehr gut erhaltene Originalexemplare ausgewählt, die optisch nahezu als
perfekt angesehen werden konnten. Die genaue Vermessung zeigte jedoch auch zwischen diesen beiden Nockenwellen
geringfügige Unterschiede, die auf die langjährige Nutzung zurückzuführen sind.
Dabei ist hervorzuheben, dass es sich um die besten Exemplare aus einer wesentlich größeren Gruppe von
Nockenwellen handelte, die uns zur Verfügung standen. Viele der übrigen Nockenwellen waren bereits so stark
verschlissen, dass sie keine zuverlässige Grundlage mehr für die Rekonstruktion des ursprünglichen Nockenprofils
darstellen konnten.
Aus diesem Grund haben wir nicht einfach eine einzelne Nockenwelle kopiert, sondern die Messergebnisse der am
besten erhaltenen Exemplare mit den verfügbaren Werksdaten verglichen. Erst auf dieser Grundlage entwickelten wir
ein neues Profil, das der Geometrie einer originalen Nockenwelle im Neuzustand möglichst nahekommt.
Als wichtigste Referenz diente uns dabei die am besten erhaltene Nockenwelle, deren Messdaten wir durch Angaben
aus der technischen Dokumentation ergänzt haben.
Steuerzeiten – was bedeutet 300°?
In der AWO-Dokumentation werden die Steuerzeiten anhand der Stellung der Kurbelwelle in Bezug auf den oberen
und unteren Totpunkt des Kolbens angegeben.
Für das Einlassventil ergibt sich:
Öffnen 40° vor OT – Schließen 80° nach UT
also:
40° + 180° + 80° = 300°
Für das Auslassventil:
Öffnen 80° vor UT – Schließen 40° nach OT
also ebenfalls:
80° + 180° + 40° = 300°
Genau diese Werte haben wir bei der Entwicklung des neuen Nockenprofils als Referenz zugrunde gelegt.
In unserer Ausarbeitung geben wir die Steuerzeiten bei einem tatsächlichen Hub des flachen Stößels von 0,10 mm an.
Dies ist wichtig, da die Angabe einer Gradzahl ohne Definition des Messhubs zu unterschiedlichen Ergebnissen für
ein und dieselbe Nocke führen kann.
NEUE NOCKE
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